Deutscher Verband für Podologie (ZFD) e.V.

G-BA erweitert Verordnungsfähigkeit von medizinischer Fußpflege

News

Berlin, 20. Februar 2020 – Podologische Therapie kann zukünftig bei weiteren Erkrankungsbildern zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. Derzeit besteht eine Verordnungsmöglichkeit aus-schließlich bei einem diabetischen Fußsyndrom. Der Gemeinsame Bun-desausschuss (G-BA) hat am Donnerstag in Berlin eine Erweiterung des bisherigen Indikationsbereichs beschlossen. Maßnahmen der podologi-schen Therapie, die im allgemeinen Sprachgebrauch auch als medizini-sche Fußpflege bezeichnet wird, können nun auch bei Schädigungsbil-dern an Haut und Zehennägeln verordnet werden, die mit einem diabeti-schen Fußsyndrom vergleichbar sind. So können zukünftig beispiels-weise auch Hautschädigungen an den Füßen in Folge eines Quer-schnittsyndroms podologisch behandelt werden.

„Eine fachgerecht durchgeführte Hornhautabtragung und Nagelbearbei-tung soll Folgeschädigungen wie Entzündungen vermeiden, die im schlimmsten Fall zu einer Amputation des Fußes führen können“, erläu-terte Dr. Monika Lelgemann, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vor-sitzende des Unterausschusses Veranlasste Leistungen. „Auch in Folge anderer Erkrankungen können vergleichbare Schädigungsbilder auftre-ten, die mit podologischer Therapie wirksam behandelt werden können. Um auch hier schwerwiegenden Folgeerkrankungen entgegenzuwirken, hat der G-BA die Verordnungsfähigkeit der podologischen Therapie ins-gesamt ausgeweitet.“
Die Maßnahmen können zukünftig von allen Patientinnen und Patienten in Anspruch genommen werden, bei denen nachweislich eine Schädi-gung des Fußes besteht, die mit dem diabetischen Fußsyndrom ver-gleichbar ist und auf ähnliche Sensibilitätsstörungen – auch verbunden mit Durchblutungsstörungen – zurückzuführen ist. Maßnahmen der po-dologischen Therapie sind zukünftig somit auch verordnungsfähig bei Schädigung als Folge
• einer sensiblen oder sensomotorischen Neuropathie oder
• eines Querschnittsyndroms.
Der Beschluss zur Änderung der Heilmittel-Richtlinie tritt nach Nichtbe-anstandung durch das Bundesministerium für Gesundheit und Veröffent-lichung im Bundesanzeiger in weiten Teilen am 1. Juli 2020 in Kraft.
Hintergrund: Verordnung von Heilmitteln
Medizinische Leistungen wie Krankengymnastik, Podologie, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie oder Ergotherapie werden als Heilmittel be-zeichnet. Sie dienen dazu, Krankheiten entgegenzuwirken, zu heilen
oder Beschwerden zu lindern. Versicherte der gesetzlichen Krankenver-sicherung haben Anspruch auf Heilmittel, deren therapeutischer Nutzen anerkannt ist. Sie müssen von Ärztinnen und Ärzten verordnet und von speziell ausgebildeten Therapeutinnen und Therapeuten erbracht wer-den.
In der Heilmittel-Richtlinie regelt der G-BA die Verordnungsmöglichkei-ten durch Vertragsärztinnen und Vertragsärzte sowie durch Krankenhäu-ser im Rahmen des Entlassmanagements, insbesondere die Vorausset-zungen, Grundsätze und Inhalte der Verordnungsmöglichkeiten sowie die Zusammenarbeit der Vertragsärztinnen und Vertragsärzte mit den Heilmittelerbringerinnen und Heilmittelerbringern. Bestandteil der Richtli-nie ist ein Verzeichnis verordnungsfähigen Maßnahmen (Heilmittelkata-log) und eine Diagnoseliste zum langfristigen Heilmittelbedarf. Zudem sind in der Richtlinie vom G-BA geprüfte, nicht verordnungsfähige Heil-mittel aufgeführt.
Auf Antrag der Patientenvertretung hat der G-BA mit Beschluss vom 17. Mai 2018 die Beratungen zur Erweiterung des bestehenden Indikati-onsbereichs für die Verordnungsfähigkeit von Maßnahmen der podologi-schen Therapie eingeleitet.

 

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist das oberste Beschlussgremium der gemein-samen Selbstverwaltung der Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Psychothera-peutinnen und Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Er be-stimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für etwa 70 Millionen Versicherte. Der G-BA legt fest, welche Leistungen der medizini-schen Versorgung von der GKV übernommen werden. Rechtsgrundlage für die Arbeit des G-BA ist das Fünfte Buch des Sozialgesetzbuches (SGB V). Entsprechend der Patientenbeteiligungs-verordnung nehmen Patientenvertreterinnen und Patientenvertreter an den Beratungen des G-BA mitberatend teil und haben ein Antragsrecht.
Den gesundheitspolitischen Rahmen der medizinischen Versorgung in Deutschland gibt das Parlament durch Gesetze vor. Aufgabe des G-BA ist es, innerhalb dieses Rahmens einheitliche Vorgaben für die konkrete Umsetzung in der Praxis zu beschließen. Die von ihm beschlossenen Richtlinien haben den Charakter untergesetzlicher Normen und sind für alle Akteure der GKV bindend.
Bei seinen Entscheidungen berücksichtigt der G-BA den allgemein anerkannten Stand der medi-zinischen Erkenntnisse und untersucht den diagnostischen oder therapeutischen Nutzen, die medizinische Notwendigkeit und die Wirtschaftlichkeit einer Leistung aus dem Pflichtkatalog der Krankenkassen. Zudem hat der G-BA weitere wichtige Aufgaben im Bereich des Qualitätsmana-gements und der Qualitätssicherung in der ambulanten und stationären Versorgung.